PREDIGT DER KATEGORIE
 7.2.1    Lied-Predigten
 
Wie soll ich dich empfangen
Autor: Helwig, Annemarie
Jahr: 2001
Bibelstelle:  Matthäus / 21
Schlagwort Liedpredigt
 
 
Predigt am 9.12.01, 2.Advent

LIEDPREDIGT "Wie soll ich dich empfangen"
LIED 11,1-3

Liebe Gemeinde
Zu Advent und Weihnachten gehören die Lieder.
Was wäre die Adventszeit ohne die bekannten
Adventslieder.
In ihnen erklingt die frohe Erwartung,
die Hoffnung der Adventszeit auf Jesus, den
Helfer und Heiland.

Paul Gerhardts Adventslied: "Wie soll ich dich em-
pfangen" ist neben "Macht hoch die Tür" und
"Tochter Zion, freue dich" eines der bekanntesten.
In unserer kleinen Gesangbuch-Ausstellung können
Sie sehen: dieses Lied steht in allen württ. Gesang-
büchern und in den Jugendliederbüchern bis heute,
auch im kath. Gotteslob.

Eigentlich ist dieses Lied eine Predigt zum Thema
"Advent". Wir wollen über diese Predigt heute
miteinander nachdenken.

"Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich
dir?" - diese Frage stellt unser Lied mitten hin-
ein in alle Hektik, in alle Rastlosigkeit und Un-
ruhe der Vorweihnachtszeit. Diese Frage stellt uns
in Frage: Was beschäftigt uns, was beschäftigt
mich im Advent?
Advent - dh Er, Jesus kommt, rechne ich mit ihm,
bin ich bereit, ihn zu empfangen?
Eigentlich weiß ich gar nicht recht, wie ich Jesus
recht empfangen kann - deshalb die Bitte:
"O Jesu, steck du mir ein Licht auf, damit
ich sehe, was dich freut, wie ich dich recht
begrüßen kann".

Wenn ein Präsident oder ein Königspaar zum Staats-
besuch kommt, wird der rote Teppich ausgerollt
und Musik gespielt. Damals, als Jesus in Jerusalem
eingezogen ist, haben ihm viele zugejubelt, sie
haben einen Teppich aus Kleidern und Palmzweigen
auf den Weg gelegt, sie haben ihn empfangen wie
einen König: "Dein Zion streut dir Palmen und
grüne Zweige hin" - ja, auch wir schmücken unsere
Häuser mit grünen Zweigen. Ein Zeichen, das uns
erinnert: es ist Advent.

Das Entscheidende aber, sagt Paul Gerhardt, ist,
dass ich im Herzen bereit bin, Jesus zu empfangen,
mich ihm zu öffnen. Und dazu hilft das Singen:
"ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn"!

Im Singen wurden schon die Menschen im biblischen
Advent bereit, den angekündigten Jesus, den
Retter aufzunehmen:
Maria, die Mutter Jesu, hat ein Lied gesungen,
das Magnificat:
"Meine Seele erhebt den Herrn ... Denn er hat die
Niedrigkeit seiner Magd angesehen.." LK 1, 46ff
Und Zacharias, der Vater Johannes des Täufers
singt nach der Geburt seines Sohnes:
"Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er
hat besucht und erlöst sein Volk"!

Im Loben und Danken öffnet sich mein Herz, mein
Leben für den Herrn, der kommt. Ich sehe mit neuen
Augen, was sein Kommen für mich bedeutet: es
bedeutet Trost und Freude!

Davon singt unser Lied im 3. Vers.
Am Anfang steht wieder eine Frage, diesmal an Gott
"Was hast du unterlassen ... als Leib und Seele
saßen in ihrem größten Leid?"
Paul Gerhardt saß wirklich im Leid, er erlebte die
Schrecken des 30jähr. Krieges, Pestzeiten und
Hungersnot und viel persönliches Leid.
Wir denken an die Schrecken der Terroranschläge
im September und fast täglich im nahen Osten, an
den Krieg in Afghanistan, an die hungernden Men-
schen dort und in anderen Teilen der Welt.
Und wir wissen um manche Menschen, die wir persön-
lich kennen, die an einer unheilbaren Krankheit
leiden oder unter der Trennung von einem lieben
Menschen.
Wie oft fragen wir uns: wo ist Gott in all dem
Leid? Gibt es noch Trost und Hilfe?

Ja, singt P.G.: "Als mir das Reich genommen, da
Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil,
kommen und hast mich froh gemacht" - gerade, wenn
mir alles aus der Hand genommen ist, bist du, Jesus
da! Gott hat uns nicht vergessen im Leid, er ist
mitten hineingekommen in das Leiden, um uns nahe
zu sein und uns zu trösten.

Liebe Gemeinde, es ist ein Geheimnis, das wir nicht
erklären können, das mir Menschen in schweren
Lagen immer wieder erzählt haben, dass sie
gehalten und getröstet waren gerade in den
leidvollsten Stunden, durch Jesus, der für uns den
Weg ins Leiden gegangen ist.

"Du hast mich frohgemacht" , dh auch freigemacht
von Schuld, so heißt es im 4.Vers:
"Ich lag in schweren Banden ..."

Jesus selber bringt mich zu Ehren bei Gott, weil
er für meine Schuld einsteht. Das ist sein größtes
Geschenk an mich, das mir nichts und niemand nehm-
en kann.

Für dieses große Geschenk gibt es keinen anderen
Grund als Gottes Liebe - von dieser Liebe singt
der 5. Vers: Zweimal steht am Anfang das gleiche
Wort: "Nichts" - Doppelt betont:
"Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom
Himmelszelt als das geliebte Lieben ..."

Über allem, was mich bedrängt und bedrückt, steht
doch Gottes Liebe, die in Jesus Mensch geworden
ist. Die ganze Welt ist in diese Liebe einge-
schlossen, auch wenn viele sie gar nicht erkennen.

- Verse 5+6 singen

Wenn ich das für mich annehmen, glauben und singen
kann: In Jesus ist Gottes Liebe auch für mich
da - dann muß ich das weitersagen, dass viele
diesen Trost und diese Freude erfahren.

Vielleicht haben Sie Unterschied bemerkt zwischen
dem 5. und 6. Vers, genau in der Mitte des Liedes
kommt eine Veränderung in der Anrede.
In den Versen 1-5 geht es um meine Beziehung zu
Jesus, ich bin im Gespräch mit ihm.
Ich will offen und bereit sein für seine Zu-
wendung, für sein Wirken in meinem Leben.

Jetzt im zweiten Teil geht die Botschaft nach
außen, zu den Bekümmerten und Verzagten. Sie
sollen hören, wer auch ihnen Hilfe und Trost bringt.
Die Hilfe ist ganz nah, sie steht vor der Tür,
ihr braucht nur die Tür aufzumachen für den, der
der sagt: "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe
an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auf-
tut, werde ich zu ihm hineingehen..." (Offb.3,20)

Dem guten Hirten, der trösten und frohmachen will,
nur einfach die Tür aufzumachen, dazu lädt P.G.
in den drei folgenden Versen noch einmal eindring-
lich ein:

Miteinander lesen: - V. 7 Empore, 8 unten, 9 alle

Nicht mit unserer Mühe und Sorge oder mit Gewalt
können wir Hilfe für unsere Nöte erzwingen,
"Er kommt, er kommt! aus freiem Willen, aus Liebe
zu uns. Keine Sünde und Schuld kann ihn hindern,
auch kein Geschrei von Kriegen und Terror.
In allen drei Versen wird mit zweifacher Betonung
am Höhepunkt der Melodie gesungen:
Er kommt, er kommt! Wie ein Fanfarenstoß gegen
alle Resignation und Angst klingt die feste
Gewißheit: Der Trost, das wahre Heil liegt allein
bei ihm, dem Friedenskönig!

Nichts und niemand kann ihn abhalten, bei uns ein-
zuziehen. Wenn wir uns ihm öffnen, zieht Gottes
Friede bei uns ein.
Dieses Angebot, diese Einladung gilt allen, allen,
uns und der ganzen Welt. Davon singt nicht nur PG,
in seinem Adventslied, davon singen auch die
Adventslieder im NT (Lk 1+2), die ich schon ge-
nannt habe: Das Lied der Maria und des Zacharias
und noch ein drittes: das Lied des alten Simeon im
Tempel in Jerusalem. Simeon hat lange gewartet
auf den Heiland, den "Trost Israels".
Als die Eltern das kleine Kind Jesus in den Tempel
bringen, wie wir heute Kinder zur Taufe bringen,
da sieht Simeon in diesem Kind den Erlöser für
Israel.

Er stimmt ein Lied an im Tempel, er singt davon,
dass dieses Kind zum Licht wird für alle Völker,
für die ganze Welt!"

Dieses Adventslied des Simeon ist bei unserer
Gesangbuch-Ausstellung im Gemeindehaus dargestellt
mit Biblischen Figuren. Neben Simeon steht die
Profetin Hanna im Tempel, sie lädt die Menschen
aus allen Erdteilen ein zu Jesus, Schwarze und
Weiße, Kinder und Erwachsene, Junge und Alte.
Sie alle öffnen sich dem "Trost und wahren Heil"
Jesus Christus.
Weil er das Licht ist, die Sonne in allem
Dunkel der Welt, leben wir in der Hoffnung des
Advent, dass er einmal endgültige und ewige Freude
bringen wird, wenn er wiederkommt.

Diese Hoffnung besingt der letzte 10. Vers unseres
Liedes.
Wenn Jesus wiederkommt, wird es für alle, die ihn
kennen und lieben ein Freudenfest!
Und so steht am Ende , wieder doppelt betont, die
Bitte: "Ach komm, ach komm, o Sonne und hol uns
allzumal zum ewgen Licht und Wonne in deinen
Freudensaal!"

Ich wünsche uns allen, dass wir im Singen der
Advents- und Weihnachtslieder uns neu öffnen für
Gottes Liebe in Jesus und wir jeden Tag sagen
und singen können: "Du bist, mein Heil, gekommen
und hast mich froh gemacht!" Amen

LIED 11, 7+10 Ihr dürft euch nicht bemühen ...



Annemarie Helwig
Ruhesteinstr. 282
72270 Baiersbronn-Mitteltal
Email: Robert.Helwig@t-online.de
 

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