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PREDIGT DER KATEGORIE
16. Perikopen-Predigten
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Dies ist mein lieber Sohn . . .
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Autor:
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Helwig, Robert
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Jahr:
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2002
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Bibelstelle:
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Matthäus / 3,13-17
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Schlagwort
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REIHE-1 Sonntag,-1.n.Epiphanias Taufe_Jesu Taufe Gottessohnschaft Gottes_Sohn
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Predigt am 12.1.2003, 1.S.n.Erscheinung, MT
Text: Matthäus 3,13-17
Mit zwei Eindrücken bin ich an die heutige Predigt herangegangen: Erstens: Letzte Woche habe ich in einer Arztpraxis die Illustrierte "Stern" gelesen. Es war die Ausgabe vom 18. Dezember, die Weihnachtsausgabe. Die Titelgeschichte hatte Jesus zum Thema, - wie fast jedes Jahr vor Weihnachten das Thema "Jesus" in der einen oder anderen Illustrierten abgehandelt wird. In diesem Artikel wurde wieder einmal ganz kritisch und rationalistisch von Jesus geredet. Man könne die Aussagen des Neuen Testaments nicht für bare Münze nehmen. Die Geburt Jesu sei natürlich nicht im Stall von Bethlehem, und schon gar nicht in Anwesen-heit der Engel, der Hirten und der Könige geschehen. Das seien alles nur erfundene Geschichten der späteren Christen. Jesus sei ein ganz normaler Mensch gewesen. Nichts als Mensch, ein Prophet, wie es damals viele Propheten gegeben habe. Genau besehen sei Jesus nur durch die raffinierten Erzählungen der Evangelisten zum Sohn Gottes hochstilisiert worden.
Der andere Eindruck ist der: Jemand hat zu mir in der vergangenen Woche den Satz gesagt: "Auch heute noch geschehen Wunder und Zeichen." Der Betreffende meinte damit wohl, dass in vielen schwierigen Lebenssituationen die Gegenwart Gottes in unser irdisches Leben hineinspielt, und zwar erfahrbar tröstend, helfend und rettend.
Die ersten Christen haben sich noch viel massiver als wir heute den kritischen Fragen der Kritiker ausgesetzt gesehen.
Auf diesem Hintergrund sind auch die Evangelien verfasst: Sie haben oft einen berichtenden Charakter. Sie wollen überzeugen: Wer den Berichten, den Fakten folgen will, kann die Wahrheit erkennen.
Die Evangelien setzen also der Kritik und dem Unglauben Fakten entgegen.
Und wenn einer sich ehrlich mit der Frage abmüht, ob denn das alles wahr ist, was wir in unserem Glaubensbekenntnis von Jesus sagen, dann müsste er sich auch den Fakten der Evangelien stellen, - und auch die Journalisten der Illustrierten "Stern" müssten ihre Bibel zur Hand nehmen und einmal genau studieren, was da alles drin steht.
Die Geschichte von der Taufe Jesu möchte auf den zentralen Punkt der Kritik an Jesus damals und auch heute eingehen, nämlich auf die Frage: "Ist Jesus göttlich, ist er Gottes Sohn, ist er wahrer Mensch und wahrer Gott? Wie ist das nun mit den Aussagen der Bibel zur Gottessohnschaft Jesu Christi.?
Das ist die Grundfrage des christlichen Glaubens.
Auch die Schriften des Neuen Testaments sagen es selber, dass es hier um die Grundfrage geht:
Johannes, der 4. Evangelist, schreibt sein Evangelium ebenfalls wie die anderen Evangelisten ganz bewusst mit der Absicht: "dass ihr glaubt, Jesus sei der Christus, der Sohn Gottes". Dass ihr es für wahr halten könnt ! Dass ihr Argumente habt für euren Glauben an den Sohn Gottes !
Auch in der Apostelgeschichte lesen wir, dass es in der Mission der allerersten Christen um diese zentrale Frage um die
Göttlichkeit Jesu ging.
Der Diakon Philippus fragt den Kämmerer, ob er denn nun die biblische Botschaft verstehe
und glaube. Und der Kämmerer aus Äthiopien bekennt: "Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist". Erst dann konnte der Kämmerer getauft werden.
Liebe Gemeinde, am heutigen Text, dem Bericht von der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer im Jordan, interessiert uns weniger die Tatsache, dass dieser Vorgang
stattgefunden hat. Dieses Faktum ist wohl unbestritten.
Es war nämlich ein ziemlich ärgerliches Faktum. Jesus hat sich damit in die Reihen der Sünder eingereiht.
Nein, die Taufe Jesu gehört zu den am besten bezeugten Ereignissen im Leben Jesu.
Es interessiert uns ein anderes Faktum: Seine Beauftragung durch Gott.
Ohne diese Beauftragung wäre sein Tod für uns ohne Bedeutung. Er hätte keine Erlösungsqualität. Jesu Tod wäre nur das tragische Ende eines
religiösen Träumers gewesen.
Alles, was Jesus gesagt und gelehrt hat, wäre seine eigene menschliche Meinung gewesen, hätte keine Offenbarungsqualität.
Dieses Faktum der Beauftragung ist entscheidend für Jesu Weg. Der Evangelist Markus hält diese Beauftragung sogar so wichtig, dass er sein Markusevangelium mit diesem Faktum beginnen lässt. Mit dieser Beauftragung beginnt der eigentliche Weg Jesu.
Nun zu unserer Geschichte. Ich blende einmal zurück in die damalige Zeit:
Im judäischen Land gab es eine interessante Neuigkeit. Die Leute sagten zueinander: "Habt ihr schon gehört von dem seltsamen Menschen namens Johannes? Drunten im Jordangraben, gar nicht weit weg von der Stelle, wo der Fluss in das Tote Meer mündet, da steht der Mann und verkündigt die Botschaft von der nahe gekommenen Gottesherrschaft. Er ruft die Menschen zur Buße und Umkehr. Wer aber seine Sünden vor ihm bekennt, der soll zu ihm kommen und im Wasser des Jordan die Taufe empfangen, zum Zeichen seiner Buße".
Auch Jesus von Nazareth hört davon. Und er kommt zu Johannes.
Jesus, der Sohn der Maria und des Zimmermanns Josef, macht sich auf den Weg, um sich in die Reihe zu stellen und getauft zu werden, so wie all die anderen Menschen. Die Taufe des Johannes, das war das Zeichen für die, die bereit waren, Gott zu begegnen.
Als aber Jesus aus dem Wasser steigt, geschieht etwas Besonderes. Er erfährt ein Wunder. Jesus sieht den Himmel geöffnet.
Für Kritiker ist das natürlich eine Hinzufügung des Matthäus, also kein Faktum.
Aber Ähnliches wird von dem Blutzeugen Stephanus berichtet, bevor ihn die Juden vor den Stadttoren von Jerusalem mit Steinen
zerschmettern. Seine letzten Worte waren: "Ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen."
Soweit besteht Ähnlichkeit.
Aber das eigentliche Wunder, das Jesus hier erfährt, ist das, was jetzt folgt:
Jesus sieht den Geist herabschweben, gleichsam wie eine Taube.
Und dann hören sie, er und die Umstehenden, die Stimme aus den Himmeln, den Anruf Gottes selbst: "Dies ist mein lieber Sohn. . ." Bekannte Worte aus dem Gottesdienst Israels! Psalm 2 und Jesaja 42 werden lebendig. Sie werden Wirklichkeit in dieser Stunde über diesem Einen, dem Jesus von Nazareth, der Gott selbst zum Vater hat. Von nun an darf er für sich in Anspruch nehmen, Gottes geliebter Sohn zu sein, an dem der Vater sein Wohlgefallen hat.
Jetzt ist er vor aller Welt in sein Amt und seine Würde eingesetzt. Nun kann er seinen Weg antreten und das in die Tat umsetzen, was der Prophet angesagt hat: Der Knecht ist der Sohn; der Auserwählte ist der Mann von Nazareth.
Dieses Faktum der Beauftragung wäre als einziges Zeichen ein sehr schwaches Zeichen. Aber es bleibt ja nicht bei dem einen Zeichen. Immer wieder wird in den Evangelien davon berichtet, wie Gott die Gottessohnschaft Jesu bestätigt: Aus dem Munde der unmündigen Kinder etwa ist die Verehrung als Gottessohn zu hören: "Hosianna dem Sohn Davids!" (Mt. 21,15.16)
Diese Bestätigungen ziehen sich durch sein ganzes Leben und durch die ganze Kirchengeschichte wie die einzelnen Bögen einer langen, langen Brücke. Von einem Brückenpfeiler zum anderen schwingen sich diese Bestätigungen.
Und wenn einer heute sagt: "Ich weiß, es gibt noch Zeichen und Wunder", dann ist das auch ein solcher Brückenpfeiler. Bis zum heutige Tage zeigt es sich: Ja, in Jesus haben wir es mit dem Sohn Gottes zu tun.
So einfach kann man deshalb diese Gottessohnschaft nicht wegdiskutieren.
Zum Glück ist dieses allergrößte Wunder geschehen, das man sich auf dieser Erde nur vorstellen kann: Gott ist in Christus Mensch geworden. Und zum Glück erfahren Menschen immer wieder: Christus regiert im Himmel wie auf Erden. Seine Macht und sein Reich ist nicht von dieser Welt. Er, unser Herr, ist Gottes Sohn.
Die Frage, die wir heute erörtert haben, die Frage der Gottessohnschaft, ist nicht nur eine Frage, die Jesus und Gott angeht. Nein, sie geht auch uns an. Es ist unsere Frage, es ist sogar elementar unsere Frage.
In der Verbindung mit Jesus sind wir nämlich verbunden mit Gott.
Als man uns als kleine Kinder zum Taufbecken trug, da hat Gott diese Verbindung geknüpft.
Was wäre denn unsere Taufe, wenn wir nicht wüssten: Wir sind auf den Namen Jesu, des Gottessohnes getauft?
Dann wäre unsere Taufe nur Religiosität. Dann hätte unsere Taufe nichts zu bedeuten. Deshalb geht es letztlich bei der Frage der Gottessohnschaft um uns.
Wir können nicht Kinder Gottes sein, wenn Jesus nur Mensch gewesen sein soll.
Aber jetzt wissen wir: Auch uns geht immer wieder der Himmel auf. Gott begegnet uns immer wieder. Manchmal ganz dramatisch. Meistens aber ganz undramatisch, unscheinbar. Im Wort der Bibel, im Wort der Predigt, im Feiern unserer Gottesdienste.
Der Himmel hört zu, wenn wir beten. Unser Gebet kann sogar viel bewegen, wenn es ernstlich ist, - so heißt es bei Jakobus.
Der Himmel geht immer wieder neu auf, - und er geht auch gar nicht mehr zu !
Auch da, wo menschlich gesehen, manche Türen zufallen, wo Mauern und Barrieren sind.
Ich denke jetzt auch an die Christen auf der weiten Welt, die unter dem Unglauben der Nichtchristen, sogar unter dem Hass der Nichtchristen leben müssen, leiden, und sogar manchmal ihr Leben lassen müssen.
Der Himmel bleibt offen. Niemand kann ihn zuschließen. Christus, der Sohn Gottes ist der Herr. Ihm befehlen wir uns neu an !
Amen.
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